Selbstoptimierung - zwischen Wunsch und Wirklichkeit

 

 

Kaum ein Thema polarisiert derzeit in der psychologischen Welt so sehr wie die Frage nach Sinn und Unsinn von sogenannten Selbstoptimierungsmethoden.

 

 

 

Da gibt es diejenigen, die mit erhobenem Zeigefinger die bedenklichen Seiten unterstreichen. Es wird über das Bild einer Gesellschaft debattiert, die dem Menschen scheinbar immer mehr abverlangt. Zum Beispiel Dinge zu tun, die ihn "passender" machen für eine auf Leistung getrimmte Gemeinschaft.

 

Andererseits: Wünscht sich nicht jeder ein Leben, das leichter und reibungsloser funktioniert? Wem würde man es verübeln, gesundheitliche Beschwerden loszuwerden? Oder endlich die Studienprüfung erfolgreich zu bestehen? Den lang ersehnten Traum vom Erreichen eines Trainingsziels Wirklichkeit werden zu lassen? Warum sollte man sich einschränken, wenn es doch Möglichkeiten gibt, leichtere Wege zu gehen?

 

Es gibt – wie so häufig – kein schlichtes Ja oder Nein. Trete ich einen Schritt zurück und betrachte die Motivation, mit der Selbstoptimierung betrieben wird, dann kann das hilfreich sein.

 

Bringt mich das, was ich tue, mehr zu mir selbst oder bringt es mich eher weg von mir selbst?

 

Nehme ich dauerhaft leistungssteigernde Mittel, die meinem Körper schaden könnten oder sogar Abhängigkeiten auslösen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen? Wenn ja, welches Ziel könnte so wichtig sein, dass ich mir und meinem Körper das antue? Bringe ich mich freiwillig in ein moralisches oder rechtliches Dilemma, um meine Ziele zu erreichen? Wie sieht es mit Methoden aus, die meiner Gesundheit förderlich sind und niemandem schaden? Darf ich es mir damit leichter machen? Bekomme ich Anerkennung von anderen (oder von mir selbst) nur dann, wenn ich den anstrengenden Weg gehe? Kann ich überhaupt einschätzen, welche Auswirkungen eine sogenannte Selbstoptimierungsstrategie auf mich hat? Kurzfristig und langfristig?

 

Wichtiger noch als diese konkreten Fragen scheinen mir Vorstellungen über mich und die Welt zu sein. Wie möchte ich leben? Wer möchte ich sein? Kann ich mit dem zufrieden sein, wer und was ich bin? Kann ich mir Leichtigkeit erlauben? Kann ich mich davon frei machen, was andere von mir denken, wie andere mich sehen oder was andere von mir erwarten? Was erwarte ich von mir?

 

Die Antworten gibt jeder für sich selbst.

 

 

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